Einige Werke zur Dynamischen Psychiatrie
von Autoren, die nach ihrem Konzept arbeiten
Ein Milieuprojekt: der "Brunnen des Unbewussten"
Übersicht
- Günter Ammon (Hrsg.), Handbuch der Dynamischen Psychiatrie - Band 1 und 2
- Günter Ammon, Gisela Finke, Gerhard Wolfrum, Ich-Struktur-Test nach Ammon, ISTA
- Maria Ammon, Kindheit und Pubertät von schizophren strukturierten Patienten
- Egon Fabian, Anatomie der Angst
- Egon Fabian, Der fragmentierte Patient
- Egon Fabian, Birger Dulz, Philipp Martius (Hrsg.), Stationäre Psychotherapie der Borderline-Störungen
- Gertraud Reitz, Rolf Schmidts, Thomas Rosky, Das große Buch vom Träumen
- Gertraud Reitz, Thomas Rosky, Rolf Schmidts, Ingeborg Urspruch, Heilsame Bewegungen
- Margit Schmolke, Gesundheitsressourcen im Lebensalltag schizophrener Menschen
- Ulrike Winkelmann und Co-Autoren, Aggression mal konstruktiv
Günter Ammon (Hrsg.), Handbuch der Dynamischen Psychiatrie
Ernst Reinhardt GmbH & Co. Verlag München
Band 1 - 1. Auflage 1979
Band 2 - 1. Auflage 1982
Klappentext
Unter dynamischer Psychiatrie versteht der Herausgeber eine Psychiatrie, in der das Persönlichkeitsbild mit seiner psychogenetischen, psychodynamischen, strukturellen und gruppendynamischen Entwicklung, sowie das Hier und Jetzt der Persönlichkeit zu erfassen versucht wird.
Die dynamische Psychiatrie ist eine verstehende Psychiatrie, die sich um die Einzigartigkeit des ihr anvertrauten Menschen bemüht und danach fragt, wer er ist, warum er so geworden ist und welche gesunden Möglichkeiten für ein therapeutisches Programm vorhanden sind.
Die Arzt-Patient-Beziehung ist das wesentliche Moment der medizinisch-psychiatrischen Untersuchung und der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung.
In diesem Handbuch wird Dynamische Psychiatrie als eine humanistische und anthropologische Wissenschaft mit Überwindung der herkömmlichen Nosologie der Schulpsychiatrie dargestellt.
Die Dynamische Psychiatrie mit ihrer Konzeption vom Menschen, vom Weg des Kontaktes zu anderen Menschen und einer Strategie für seine Behandlung zeigt einen hoffnungsvollen Weg in die Zukunft für alle psychisch Kranken.
Günter Ammon, Gisela Finke, Gerhard Wolfrum, Ich-Struktur-Test nach Ammon
Frankfurt a. M.: Swets Test Services, 1998
Klappentext
Der Ich-Struktur-Test nach Ammon (ISTA) wurde entwickelt als ein psychoanalytisch orientierter Persönlichkeits-Fragebogen, der auf der humanstrukturellen Theorie der Dynamischen Psychiatrie Günter Ammons basiert. Er erfasst die Persönlichkeitsbereiche (Humanfunktionen) von Aggression, Angst, Abgrenzung nach außen und innen, Narzissmus und Sexualität auf 18 Skalen mit insgesamt 213 Items. Gemessen werden jeweils die konstruktiven, destruktiven und defizitären Ausprägungen dieser Humanfunktionen. Der ISTA soll möglichst differenziert den momentanen Entwicklungsstand der Persönlichkeit eines Menschen in ihren unbewussten Strukturmerkmalen und durch Verlaufsmessungen deren möglichen Veränderungen erfassen. D. h., er soll veränderungssensitiv sein und wesentliche Persönlichkeitsvariablen ansprechen.
Maria Ammon, Kindheit und Pubertät von schizophren strukturierten Patienten
Psychiatrie-Verlag 2001
Informationen des Verlages
Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Hypothesen zur Pathogenese der Schizophrenie liefert Maria Ammon eine qualitative Untersuchung der frühen Lebensgeschichte von schizophren erkrankten Patienten und deren Familien.
Nach einer kurzen historischen Einführung werden die genetischen und biologischen Hypothesen der Bedingungen, die zum späteren Ausbruch der Krankheit führen, ausführlich dargestellt, gefolgt von Ansätzen, die einem psycho-sozialen Verständnis entspringen beginnend beim psychoanalytischen Denken über psychodynamische Theorien bis hin zu multifaktoriellen Forschungen zur neueren Traumaforschung.
Das eigentliche Herzstück der Arbeit bilden biografische Interviews mit sechs schizophren erkrankten Menschen und ihren nächsten Bezugspersonen. Anliegen ist, das familiäre Umfeld in Bezug auf das Beziehungsgeschehen, das Erleben von wichtigen Lebensabschnitten wie Kindergartenbesuch, Schule und Pubertät und schließlich den Umgang mit Körperlichkeit, Sexualität und Emotionen aus den unterschiedlichen subjektiven Blickwinkeln abzubilden.
Im Ergebnis geht es der Autorin darum, die Erkrankung familiendynamisch zu verstehen, aber nicht, um Schuldzuweisungen vorzunehmen und etwa statt der "schizophrenogenen Mutter" die "schizophrenogene Familie" zu entwerfen, sondern die Bedingungen schizophrener Erkrankungen zu beleuchten, um Alternativen zur Prophylaxe und Hilfestellungen für die Familien zu entwickeln.
Egon Fabian, Anatomie der Angst
Stuttgart, Klett-Cotta Verlag 2010
mit einem Vorwort von Raymond Battegay
Klappentext
Egon Fabian liefert tiefe Einsichten in das Wesen und die Entstehung von Ängsten. Unser Umgang mit ihnen ist kulturabhängig und individuell verschieden: Jeder von uns hat seine eigene Angstgeschichte und eine dazu passende Bewältigungsstrategie entwickelt.
Angst ist ein fester Bestandteil des Menschseins. Uns allen ist sie gemeinsam: die Ur-Angst. Nur durch Rückbesinnung kann es uns gelingen, mit ihr umzugehen und sie als Teil unseres Lebens zu akzeptieren. "Ängste besiegen", "Endlich frei von Angst und Panik" - so oder so ähnlich lauten die Heilsversprechungen einer wahren Flut von Ratgebern. Dabei ist es nicht nur ethisch bedenklich, sondern auch nicht ungefährlich, wenn sogar Fachleute die Angst zum besiegbaren Symptom erklären.
- Was heißt Angst? Was ist eine Angststörung?
- Angst und Körper
- Gruppendynamische und transgenerationale Aspekte der Angst
- Die Angst vor der Angst: Abwehrformen der Angst
- Therapiemöglichkeiten
Egon Fabian, Der fragmentierte Patient und das Modell einer Medizin für den ganzen Menschen
München, Helix-Verlag 1991
Klappentext
Ein herausforderndes Buch für jeden, der sich über unser Gesundheitswesen Gedanken macht und über die Rolle, die dem Patienten darin zugeteilt ist. Der fragmentierte Patient ist das Buch eines Insiders: Sein Anliegen, dem Patienten zu helfen, sich samt seinem Leiden als eine körperlich-seelische Ganzheit zu verstehen und mit diesem Verständnis zur Heilung zu gelangen, entspringt der täglichen Arbeit des Autors als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie.
Fabian provoziert, er fordert Kritik und Diskussion heraus und bietet im zweitem Teil seines Buches eine konstruktive Umsetzung an: das Modell einer Medizin für den ganzen Menschen.
Egon Fabian, Birger Dulz, Philipp Martius (Hrsg.), Stationäre Psychotherapie der Borderline-Störungen
München, Schattauer Verlag 2009
Informationen des Verlags
Erstmalig werden mit diesem Buch erfolgreiche Konzepte für die stationäre Therapie von Borderline-Störungen zusammengefasst. Die Autoren beschreiben anschaulich und praxisnah ihre jeweiligen Behandlungsschwerpunkte und gehen detailliert auf die spezifischen Therapieangebote ein, abhängig von der Schwere und den Besonderheiten der Störungen. Der Leser erhält einen fundierten Einblick in die therapeutische Arbeit der verschiedenen Institutionen. Dieses wegweisende Handbuch zum stationären Therapiespektrum bei Borderline-Störungen richtet sich in erster Linie an Ärzte und Therapeuten sowie Sozialdienste und Kostenträger. Aber auch Patienten und deren Angehörige können hier wertvolle Informationen erhalten.
Gertraud Reitz, Rolf Schmidts, Thomas Rosky, Das große Buch vom Träumen
Weltbild-Verlag 1999
Klappentext
Träume gehören zu den wichtigsten Quellen unserer inneren Kraft. Wer ihnen vertraut, wird mutig daran gehen, seine Pläne und Wünsche in die Realität umzusetzen.
Zahlreiche "Traumbiographien" helfen Ihnen, Traumbotschaften richtig zu deuten, verschüttete kreative Potentiale zutage zu fördern und letztlich ein lebendiges aktives Leben zu führen.
Zusätzlich bietet dieses Buch einen umfassenden Überblick zur Geschichte der Traumdeutung und der großen Traumtheorien: von Sigmund Freud über Carl Gustav Jung bis zu Günter Ammon.
Gertraud Reitz, Thomas Rosky, Rolf Schmidts, Ingeborg Urspruch, Heilsame Bewegungen
Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2005
Seit 1979 entwickelten sich auf der Basis der Berliner Schule der Dynamischen Psychiatrie die in diesem Buch dargestellten nonverbalen Therapiemethoden.
Dem Patienten wird kreativ-künstlerische Entfaltung ermöglicht.
Musik ist hierbei nach Schmidts "klingende Gruppendynamik", Tanz gibt nach Reitz unmittelbaren Einblick in "bewegte Geschichten", die Bühne ist beim Theaterspielen nach Urspruch der "Spiegel der Seele".
Durch das Medium der Musik, des Tanzes und des Theaters kann der Mensch sich selbst begreifen und verändern.
Das Buch vermittelt ein erweitertes Verständnis von Psychoanalyse.
Margit Schmolke, Gesundheitsressourcen im Lebensalltag schizophrener Menschen
Psychiatrie-Verlag 2001
Kurzinformationen
Mit den hier vorgestellten Konzepten der Gesundheitsförderung und der Salutogenese wird ein neuer Blick auf das Erleben von schizophrenen Menschen geworfen. Anhand qualitativer und quantitativer Forschungsmethoden belegt die Autorin, dass den Betroffenen eine Vielzahl von gesunden Anteilen und Ressourcen in ihrem Lebensalltag neben oder trotz ihrer Erkrankung zur Verfügung stehen und sie ihr keineswegs wie so oft angenommen hilflos ausgeliefert sind, sondern ihr Leben zu gestalten vermögen.
In einer Zeit, in der die Medikalisierung der Psychiatrie und Klinischen Psychologie zunehmend den klinischen Alltag bestimmt, ist ein Menschenbild, das den Patienten nicht zum bloßen Träger einer Krankheit reduziert, umso notwendiger. Dazu liefert diese Arbeit einen wichtigen Beitrag.
Ulrike Winkelmann und Co-Autoren, Aggression mal konstruktiv — Ambulante Milieutherapie in Theorie und Praxis
Verlag Dietmar Klotz 2000
Informationen des Verlages
Das Buch der Psychoanalytikerin und Psychotherapeutin Ulrike Winkelmann stellt die psychoanalytische Milieutherapie sehr anschaulich dar. Diese vor allem in England und Amerika entwickelte Therapieform wurde in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts von dem Berliner Psychiater und Psychoanalytiker Günter Ammon in Deutschland eingeführt. Sie ist besonders zur Behandlung von Krankheiten geeignet, die von in präverbaler Zeit entstandenen Aggressionsstörungen herrühren, z.B. Psychosen, Psychosomatik oder das Borderline-Syndrom.
Die Patienten leben und arbeiten dabei für eine bis vier Wochen zusammen an einem Ort und arbeiten in Gruppen an meist handwerklichen Projekten. So entsteht ein therapeutisches Feld, in dem frühkindliche meist destruktive Erlebnisse wieder erlebt und in therapeutischen Gruppensitzungen bewusst gemacht werden. Im Sinne einer Wiedergutmachung kann der Patient verständnisvoll angenommen, in seiner Destruktivität abgegrenzt und therapeutisch unterstützt werden.
